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Die kleine Wolke besucht den Wald

27. Sept.
3 Min. Lesezeit


In der letzten Geschichte hat die kleine Wolke gelernt, dass Veränderung Zeit braucht.


Heute führt ihre Reise sie an einen Ort, an dem alles miteinander verbunden ist.


In einen alten Wald.


Von aussen sieht jeder Baum für sich allein aus.

Doch tief unter der Erde geschieht etwas Erstaunliches.

Die Wurzeln der Bäume wachsen einander entgegen. Sie teilen Wasser, Nährstoffe und manchmal sogar Kraft.


Auch wir Menschen sind viel stärker miteinander verbunden, als wir oft glauben.


Genau darum geht es in der heutigen Geschichte.


Die kleine Wolke besucht den Wald


An einem sonnigen Morgen trug der Wind die kleine Wolke über einen grossen Wald.

Von oben sah er aus wie ein grünes Meer.


Baumkronen schaukelten sanft im Wind.

Vögel sangen.


Ein Specht klopfte an einen Stamm.

Und irgendwo raschelte ein Eichhörnchen durch die Blätter.


„Hier ist es wunderschön“, flüsterte die kleine Wolke.

Langsam liess sie sich tiefer sinken.


Sie landete auf der Krone einer alten Buche.

„Willkommen“, sagte der Baum freundlich.


„Danke“, antwortete die kleine Wolke.

„Ihr Bäume seid ganz schön viele.“


Die Buche lächelte.

„Ja.“


„Und jeder steht für sich allein.“


Da musste der Baum lachen.

„So sieht es nur von oben aus.“


„Wie meinst du das?“


„Komm, ich zeige dir etwas.“


Die kleine Wolke schaute neugierig nach unten.

„Ich sehe nur Erde.“


„Schau mit deinem Herzen.“


Die kleine Wolke schloss kurz die Augen.

Als sie sie wieder öffnete, staunte sie.


Unter der Erde leuchteten unzählige feine Wurzeln.

Sie berührten sich.

Sie verbanden sich.

Sie bildeten ein riesiges Netz.


„Das ist ja wunderschön!“


„Ja“, sagte die Buche.

„Wir sind alle miteinander verbunden.“


„Auch wenn man es gar nicht sieht?“


„Gerade dann.“


Die kleine Wolke beobachtete fasziniert, wie Wasser durch die Wurzeln floss.

Ein junger Baum wirkte etwas schwach.

Sofort schickten die grösseren Bäume ihm etwas von ihrer Kraft.


„Sie helfen ihm!“, rief die kleine Wolke.


„Natürlich“, sagte die Buche.

„Heute braucht er unsere Hilfe. Morgen vielleicht wir seine.“


Die kleine Wolke dachte lange nach.

„Dann gewinnt hier niemand allein?“


Die Buche schüttelte freundlich ihre Äste.

„Im Wald wachsen wir miteinander.“


Die kleine Wolke lächelte.

„Das gefällt mir.“


Plötzlich hörten sie ein leises Schluchzen.

Ganz in der Nähe stand ein kleines Tannenbäumchen.


„Warum bist du traurig?“, fragte die kleine Wolke.

„Ich bin viel kleiner als die anderen.“


Die Buche lächelte warm.

„Weisst du, kleiner Freund, ich war auch einmal so klein.“


„Wirklich?“


„Ja.“


„Und irgendwann warst du so gross?“


„Nicht auf einmal. Jedes Jahr nur ein kleines Stück.“


Das Tannenbäumchen schaute nach oben.

„Dann werde ich auch einmal gross?“


„Ganz bestimmt.“


„Und bis dahin?“


Die Buche antwortete:

„Bis dahin gehörst du schon jetzt zu uns.“


Die kleine Wolke spürte eine wohlige Wärme.


Sie dachte an die anderen Wolken.

An den Wind.

An die Sterne.

An den Mond.

Und jetzt an den Wald.

Überall war Verbindung.

Vielleicht war niemand jemals wirklich allein.


Bevor sie weiterflog, begann es ganz leicht zu regnen.

Die kleine Wolke schenkte jedem Baum ein paar Tropfen.


Die Bäume rauschten fröhlich.

Es klang fast wie ein Dankeschön.


Mit einem glücklichen Herzen stieg die kleine Wolke wieder höher.

Von oben sah der Wald genauso aus wie vorher.


Und doch wusste sie jetzt:

Unter der Oberfläche verbinden sich Herzen oft viel stärker, als man sehen kann.


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

Kinder erleben Gemeinschaft oft ganz unmittelbar.


Sie teilen.

Sie trösten.

Sie helfen einander.


Erst später lernen sie manchmal, sich zu vergleichen oder Konkurrenz zu empfinden.

Vielleicht dürfen wir ihnen immer wieder zeigen:

Gemeinsam werden wir stärker.

Nicht, weil alle gleich sind.

Sondern weil jeder etwas anderes mitbringt.


So wie im Wald.

Dort wächst kein Baum allein.


Und auch wir Menschen brauchen einander.


Nächsten Sonntag fliegt die kleine Wolke zum Meer und entdeckt, dass Gefühle wie Wellen sind – sie kommen, sie gehen und sie bleiben niemals für immer.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

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