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Die kleine Wolke findet den geheimen Garten am Himmel

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit


Je mehr Kinder wachsen, desto mehr entdecken sie die Welt mit all ihren Farben, Fragen und Gefühlen.


Doch genauso wichtig ist ein Ort, an den sie immer wieder zurückkehren können. Ein Ort, an dem sie sich sicher fühlen. An dem sie einfach sein dürfen.


Manchmal finden wir diesen Ort draussen in der Natur.

Manchmal in einer Umarmung.

Und manchmal entsteht er tief in unserem Herzen.


In der heutigen Geschichte entdeckt die kleine Wolke genau solch einen besonderen Ort.


Einen geheimen Garten, den nur diejenigen finden können, die gelernt haben, mit offenen Augen und einem offenen Herzen zu schauen.


Die kleine Wolke findet den geheimen Garten am Himmel


Seit vielen Tagen war die kleine Wolke unterwegs.


Sie hatte den Regenbogen getroffen, den Mond besucht, den Sternen gelauscht, den Wind verstanden, das Meer flüstern hören und im Wald die Sprache der Bäume entdeckt.


Mit jeder Begegnung war ihr Herz ein kleines bisschen grösser geworden.


Eines Morgens trug sie der Wind höher hinauf als je zuvor.

Immer höher.

Bis der Himmel ganz still wurde.


Dort bemerkte sie einen schmalen Lichtweg zwischen zwei weissen Wolkenbergen.

„Wo führt dieser Weg wohl hin?“, fragte sie neugierig.


Der Wind lächelte.

„Dorthin, wo nicht viele suchen.“


Vorsichtig folgte die kleine Wolke dem schimmernden Pfad.

Plötzlich öffnete sich vor ihr ein wunderschöner Garten.


Die Blumen leuchteten in allen Farben des Himmels.

Zwischen ihnen glitzerten kleine Tautropfen wie Sterne.


Schmetterlinge tanzten lautlos durch die warme Luft.

Überall duftete es nach Sommerregen und frischem Gras.


Mitten im Garten stand ein grosser Baum.

Seine Blätter schimmerten silbern und golden zugleich.

Seine Äste bewegten sich sanft, obwohl kein Wind wehte.


Die kleine Wolke blieb staunend stehen.

„Ist das ein Zaubergarten?“


Da hörte sie eine freundliche Stimme.

„Vielleicht.“


Vor ihr erschien eine alte Gärtnerin.

Ihr Haar war so weiss wie Morgendunst und ihre Augen funkelten wie der erste Sonnenstrahl.

Sie lächelte warm.

„Willkommen im Garten des Herzens.“


„Des Herzens?“

Die kleine Wolke schaute sich verwundert um.

„Aber ich wusste gar nicht, dass es ihn gibt.“


Die Gärtnerin nickte.

„Das geht vielen so.“


Sie führte die kleine Wolke langsam durch den Garten.


Bei jeder Blume blieb sie kurz stehen.

„Diese hier wächst aus Mut.“


Ein paar Schritte weiter.

„Und diese aus Dankbarkeit.“


Dann zeigte sie auf eine kleine, unscheinbare Blüte.

„Diese wächst aus jedem Mal, wenn du freundlich zu dir selbst bist.“


Die kleine Wolke betrachtete die zarte Blume ganz genau.

„Dann wächst dieser Garten jedes Mal, wenn ich etwas Gutes fühle?“


„Nicht nur dann“, sagte die Gärtnerin.

„Auch wenn du traurig bist und gut für dich sorgst.“


Die kleine Wolke dachte nach.

„Dann wächst er sogar an schweren Tagen?“


Die Gärtnerin nickte.

„Gerade dann.“


Sie gingen weiter.


Zwischen den Blumen entdeckte die kleine Wolke kleine Lichtkugeln.

„Was ist das?“


„Das sind Erinnerungen.“


„An schöne Tage?“


„An alle Tage.“


Die kleine Wolke schaute überrascht.

„Auch an die traurigen?“


„Ja“, antwortete die Gärtnerin.

„Denn auch sie haben dich wachsen lassen.“


Die kleine Wolke setzte sich unter den großen Baum.

Es war still.

Eine angenehme, warme Stille.


Sie schloss für einen Moment die Augen.

Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, nirgendwo anders sein zu müssen.


Ein kleiner Vogel landete neben ihr.

„Weisst du“, zwitscherte er leise, „viele suchen diesen Garten überall.“


„Und finden ihn nicht?“


„Nein, weil sie vergessen, zuerst in sich selbst nachzusehen.“


Die kleine Wolke öffnete langsam die Augen.

Da bemerkte sie etwas.


Mit jedem ruhigen Atemzug begann ihr eigenes Wolkenherz sanft zu leuchten.

Nicht hell.

Nicht grell.

Ganz ruhig.

Wie ein kleines Licht am Abend.


Die Gärtnerin lächelte.

„Siehst du? Der Garten war nie weit weg. Er hat die ganze Zeit in dir gelebt.“


Die kleine Wolke spürte plötzlich eine tiefe Freude.

Keine laute Freude.

Eine leise.

Eine, die blieb.


Bevor sie weiterflog, schenkte die Gärtnerin ihr einen winzigen Samen.


„Was wächst daraus?“, fragte die kleine Wolke.


„Das entscheidest du.“


„Wie denn?“


„Mit jedem liebevollen Gedanken.

Mit jedem mutigen Schritt.

Mit jedem Moment, in dem du dir selbst vertraust.“


Die kleine Wolke legte den Samen vorsichtig in ihr Herz.

Sie wusste:

Egal, wohin ihre Reise sie noch führen würde:

diesen Garten würde sie immer bei sich tragen.


Und vielleicht gibt es auch in deinem Herzen einen solchen Garten.

Einen Ort, an den du jederzeit zurückkehren kannst.

An dem Hoffnung wächst.

Vertrauen blüht.

Und dein eigenes Licht jeden Tag ein kleines bisschen heller werden darf.


Gedanke für die Grossen

Kinder brauchen Orte, an denen sie sich sicher fühlen.


Manchmal sind das vertraute Menschen oder Lieblingsplätze in der Natur.


Doch mindestens genauso wertvoll ist ein innerer Ort, an den sie in Gedanken zurückkehren können.


Geschichten wie diese helfen Kindern, ein solches inneres Bild entstehen zu lassen.


Vielleicht mögt ihr nach dem Vorlesen gemeinsam überlegen:

Wie würde euer geheimer Garten aussehen?

Welche Blumen würden dort wachsen?

Welche Tiere würden euch besuchen?

Und was würde eurem Herzen dort besonders guttun?


Nächsten Sonntag entdeckt die kleine Wolke etwas ganz Besonderes:

Ein Licht, das schon die ganze Zeit in ihr geschlummert hat.

Sie erkennt, dass sie nicht leuchten muss wie die Sonne oder die Sterne.

Denn jeder trägt sein ganz eigenes Licht in sich: einzigartig, leise und wunderbar.


Ich freue mich, wenn ihr wieder mit dabei seid.

Herzlichst


Nadine



 
 
 

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