top of page
Start: Willkommen
Start: Blog2

Die kleine Wolke bei den Sternen



In den vergangenen Geschichten hat die kleine Wolke bereits viel entdeckt.


Sie hat gelernt, dass sie fühlen darf. Dass die Welt voller Wunder ist. Und dass selbst Regentropfen und Sonnenlicht gemeinsam etwas Wunderschönes erschaffen können.


Doch manchmal wird es Abend.

Und mit der Dunkelheit kommen bei vielen Kindern auch die Gedanken.


Manche Erlebnisse des Tages tauchen plötzlich wieder auf. Fragen, Sorgen oder Ängste werden in der Stille lauter.


Vielleicht kennst du das auch.


Genau für solche Abende ist die heutige Geschichte entstanden.

Sie möchte Kindern zeigen, dass auch Gedanken schlafen dürfen.


Die kleine Wolke bei den Sternen


Am Abend wurde der Himmel langsam dunkler.


Die kleine Wolke hatte einen wunderschönen Tag hinter sich und war schon ein bisschen müde.


„Bleib noch wach“, flüsterte der Wind sanft.

„Heute Nacht wartet etwas ganz Besonderes auf dich.“


Die kleine Wolke blinzelte neugierig.

„Noch schöner als der Regenbogen?“


„Anders schön“, sagte die Sonne leise, bevor sie hinter dem Horizont verschwand.


Langsam wurde der Himmel tiefblau …

… dann dunkel …

… und dann – ganz plötzlich –

plopp ✨

Ein kleiner Stern erschien.


„Oh!“, machte die kleine Wolke.


plopp, plopp ✨

Noch mehr Sterne funkelten auf.


Bald war der ganze Himmel voller kleiner Lichter.

Sie glitzerten wie winzige Diamanten.


„Hallo!“, rief die kleine Wolke vorsichtig.


Ein besonders heller Stern blinkte zurück.

„Hallo, kleine Wolke! Willkommen in der Nacht.“


„Ihr seid ja wunderschön“, staunte die Wolke.

„Aber … seid ihr nicht ganz allein da oben?“


Die Sterne kicherten leise.

„Nein, wir sind viele. Und wir passen aufeinander auf.“


Die kleine Wolke fühlte sich sofort wohl.


Ein kleiner Stern hüpfte ein Stück näher.

„Möchtest du ein Geheimnis hören?“


„Jaa!“, flüsterte die Wolke.


„Wir leuchten nicht nur für uns“, sagte der Stern.

„Wir leuchten für alle, die uns brauchen.“


„Auch für Kinder?“, fragte die kleine Wolke.


„Ganz besonders für Kinder“, antwortete der Stern freundlich.

„Wenn jemand nachts wach liegt und nicht schlafen kann, dann sind wir da und sagen:

Du bist nicht allein.


Die kleine Wolke wurde ganz still.

„Das ist schön“, sagte sie leise.


Da zog der Mond langsam am Himmel vorbei.


Groß.

Rund.

Und ruhig.


„Guten Abend“, sagte der Mond mit seiner tiefen, sanften Stimme.


„Guten Abend“, antwortete die kleine Wolke ehrfürchtig.

„Du bist ja riesig!“


Der Mond lächelte.

„Ich passe ein bisschen auf die Nacht auf.“


„Und auf die Gedanken?“, fragte die Wolke vorsichtig.


Der Mond nickte.

„Ja. Besonders auf die, die nicht zur Ruhe kommen wollen.“


Die kleine Wolke dachte kurz nach.

Dann fragte sie:

„Was macht man mit Gedanken, die einfach weiterreden?“


Der Mond antwortete ruhig:

„Man hört ihnen kurz zu …

… und dann sagt man ihnen:

Jetzt ist Schlafenszeit.


Die Sterne funkelten zustimmend.


„Und wenn sie nicht aufhören?“, fragte die Wolke.


Der Mond lächelte sanft.

„Dann hilft etwas ganz Einfaches.“


„Was denn?“


„Du stellst dir vor, dass jeder Gedanke ein kleines Licht ist …

… und du legst ihn vorsichtig zu den Sternen. Dort wird gut auf ihn aufgepasst, bis der Morgen kommt.“


Die kleine Wolke probierte es aus.


Ein Gedanke …

… wurde zu einem kleinen Licht und schwebte nach oben.

Noch einer.

Und noch einer.

Bald waren ihre Gedanken nicht mehr in ihr, sondern funkelten ruhig zwischen den Sternen.

„Oh …“, flüsterte sie.

„Jetzt ist es ganz still.“


„Genau“, sagte der Mond.

„Nachts dürfen Gedanken schlafen.“


Die kleine Wolke fühlte sich ganz leicht.

Noch leichter als am Tag.

„Darf ich auch hier bleiben?“, fragte sie leise.


„Natürlich“, sagten die Sterne.

„Du kannst dich zu uns kuscheln.“


Die kleine Wolke schob sich vorsichtig zwischen die funkelnden Lichter.

Sie fühlte sich geborgen und sicher.


Der Wind wurde ganz leise.


Die Nacht ganz ruhig.


Bevor die kleine Wolke einschlief, flüsterte sie:

„Danke, dass ich nicht allein bin.“


Ein Stern blinkte sanft.

„Das bist du nie.“


Und dann schlief die kleine Wolke ein …

umgeben von Licht …

getragen vom Himmel …

und bewacht von den Sternen.


✨ Gute Nacht. ✨


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

Viele Kinder erzählen am Abend von Gedanken, die einfach nicht aufhören wollen.


Sie denken an den Tag zurück, machen sich Sorgen oder beschäftigen sich mit Dingen, die sie nicht verstehen.


Oft hilft es nicht, diese Gedanken wegzuschicken.


Viel hilfreicher ist es, ihnen einen sicheren Platz zu geben.


Vielleicht möchtet ihr heute Abend gemeinsam mit eurem Kind ausprobieren, was der Mond der kleinen Wolke gezeigt hat:

Schliesst die Augen.

Stellt euch jeden Gedanken als kleines Licht vor.

Und legt ihn behutsam zu den Sternen.

Dort darf er bis morgen ruhen.

Vielleicht schläft es sich dann ein kleines bisschen leichter.


Nächsten Sonntag begegnet die kleine Wolke dem Mond ganz allein und entdeckt, dass Stille nichts ist, wovor man Angst haben muss, sondern ein Ort, an dem das Herz zur Ruhe kommen kann.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

Kommentare


Blog-Abo:

Möchtest Du über neue Beiträge von mir informiert werden?

Start: Abonnement
bottom of page