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Die kleine Wolke entdeckt ihr Wolkenherz

  • Autorenbild: Nadine
    Nadine
  • vor 10 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

In den vergangenen Geschichten hat die kleine Wolke gelernt, ihre Gefühle anzunehmen, die Schönheit der Welt zu entdecken und in der Stille zur Ruhe zu kommen.


Nun beginnt ein neuer Abschnitt ihrer Reise.


Bis jetzt haben ihr der Wind, die Sonne, der Regenbogen, die Sterne und der Mond geholfen. Sie alle haben ihr etwas Wichtiges gezeigt.


Doch irgendwann kommt der Moment, an dem jedes Kind entdeckt:

Die wichtigste Stimme wohnt bereits im eigenen Herzen.


Manchmal ist sie ganz leise.

Doch wenn wir still werden, können wir sie hören.

Genau darum geht es in der heutigen Geschichte.


Die kleine Wolke entdeckt ihr Wolkenherz


Am nächsten Morgen glitt die kleine Wolke langsam über den Himmel.


Der Wind war unterwegs.

Die Sonne wärmte die Erde.

Die Vögel sangen fröhliche Lieder.


Und trotzdem fühlte sich die kleine Wolke heute ein wenig nachdenklich.

„Warum bin ich eigentlich ich?“, fragte sie leise.

„Warum bin ich nicht so gross wie die anderen Wolken?

Oder so hell wie die Sonne?

Oder so mutig wie der Wind?“


Der Wind hörte ihre Worte und lächelte.

„Heute habe ich keine Antwort für dich.“


Die kleine Wolke staunte.

„Keine?“


„Nein“, sagte der Wind.

„Heute darfst du sie selbst finden.“


Die kleine Wolke flog weiter.


Sie fragte den Vogel.

„Wo finde ich heraus, wer ich wirklich bin?“


Der Vogel zwitscherte:

„Nicht bei mir.“


Sie fragte die Blumen.

„Könnt ihr es mir sagen?“


Die Blumen wiegten sich im Wind.

„Nicht bei uns.“


Sie fragte sogar den kleinen Bach.

Doch der gluckste nur fröhlich und floss weiter.


Die kleine Wolke wurde langsam ein bisschen traurig.

„Niemand kennt die Antwort.“


Da begegnete sie einer uralten Eiche.

Ihre Äste reichten weit in den Himmel.


„Warum bist du so traurig?“, fragte der Baum freundlich.


„Ich suche nach der Antwort, wer ich wirklich bin.“


Der Baum lächelte.

„Dann suchst du am falschen Ort.“


„Wie meinst du das?“


„Du fragst überall um dich herum.

Aber hast du schon einmal in dich selbst hineingeschaut?“


Die kleine Wolke wurde ganz still.

„Nein.“


„Dann schließe einmal deine Augen“, sagte die Eiche.

„Und höre nur auf dein Herz.“


Die kleine Wolke machte die Augen zu.

Zuerst hörte sie den Wind.

Dann die Vögel.

Dann den Bach.

Und schliesslich …

… hörte sie etwas ganz Leises.

Es klang wie ein sanftes Flüstern.

Ganz warm.

Ganz freundlich.

„Ich bin hier.“


Die kleine Wolke öffnete überrascht die Augen.

„Wer war das?“


„Das war dein Wolkenherz“, sagte die Eiche.

„Jede Wolke besitzt eines.“


„Ich auch?“


„Natürlich.“


„Aber warum habe ich es noch nie gehört?“


„Weil es niemals laut spricht“, antwortete die Eiche.

„Es flüstert. Und deshalb braucht es Stille.“


Die kleine Wolke legte ihre Aufmerksamkeit wieder nach innen.


Das leise Flüstern war noch immer da.

„Du bist genau richtig.“

„Du musst niemand anders werden.“

„Du bist du.“


Die kleine Wolke spürte eine wohlige Wärme.

Sie musste lächeln.

„Das fühlt sich schön an.“


„So fühlt sich Vertrauen an“, sagte die Eiche.

„Wenn du einmal nicht weisst, welchen Weg du gehen sollst,

dann höre zuerst auf dein Wolkenherz.“


Die kleine Wolke nickte.


Von diesem Tag an trug sie dieses leise Flüstern immer bei sich.

Nicht laut.

Nicht aufdringlich.

Aber immer da.


Und wann immer sie unsicher wurde,

legte sie eine kleine Wolkenhand auf ihr Herz

und erinnerte sich:

Die wichtigste Antwort wohnt bereits in mir.


Mit diesem Gedanken schwebte sie weiter.

Ein kleines bisschen mutiger.

Ein kleines bisschen ruhiger.

Und mit einem Herzen,

das nun seinen eigenen Weg kannte.


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

Kinder bekommen jeden Tag viele Informationen.

Sie hören, was richtig und falsch ist, was sie tun sollen und was andere von ihnen erwarten.

Das alles ist wichtig.


Doch genauso wichtig ist es, dass Kinder lernen, ihrer eigenen inneren Stimme zu vertrauen.

Fragt euer Kind doch heute einmal:

„Was sagt dein Herz dazu?“

Vielleicht überrascht euch die Antwort.

Denn Kinder tragen oft eine große Weisheit in sich – wenn wir ihnen den Raum geben, sie auszusprechen.


Nächsten Sonntag lauscht die kleine Wolke dem Lied des Windes und entdeckt, dass jeder seinen eigenen Rhythmus im Leben finden darf.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

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