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Die kleine Wolke und der Regenbogen


In den letzten Tagen hat die kleine Wolke bereits viel gelernt.


Sie hat entdeckt, dass sie fühlen darf. Dass schwere Gedanken auch wieder leichter werden können. Und dass die Welt neben all den Herausforderungen voller kleiner Wunder ist.


Doch heute wartet eine ganz besondere Entdeckung auf sie.


Manchmal glauben Kinder – und auch wir Erwachsenen –, dass traurige und schöne Gefühle Gegensätze sind.

Dabei gehören sie oft zusammen.


Denn genau wie ein Regenbogen Licht und Regentropfen braucht, dürfen auch in unserem Leben Freude und Traurigkeit ihren Platz haben.


Genau davon erzählt die heutige Geschichte.


Die kleine Wolke und der Regenbogen


Am nächsten Tag wachte die kleine Wolke besonders früh auf.


Der Himmel war noch ganz ruhig, und die Luft fühlte sich frisch an.


„Heute liegt etwas in der Luft“, flüsterte der Wind geheimnisvoll.


„Was denn?“, fragte die kleine Wolke neugierig.


„Warte ab …“, sagte der Wind und zwinkerte.


Die kleine Wolke liess sich treiben.

Sie kam wieder über eine Wiese, genau die mit den bunten Blumen.

Doch heute sah alles ein bisschen anders aus.

Die Luft glitzerte, als würde sie ein Geheimnis verstecken.


Plötzlich begann es ganz sanft zu regnen.

Die kleine Wolke half mit und liess ein paar Tropfen fallen.


Und genau in diesem Moment rief die Sonne:

„Jetzt! Schau genau hin!“


Die kleine Wolke drehte sich …

… und da war er.


Ein großer, leuchtender Regenbogen spannte sich über den Himmel.


„Wooooow …“, staunte die kleine Wolke.

„Der ist ja wunderschön!“


„Weißt du, wie er entsteht?“, fragte die Sonne.


Die kleine Wolke schüttelte sich ganz leicht.


„Wenn Licht und Wasser zusammenarbeiten“, erklärte die Sonne, „dann entstehen Farben.“


Die kleine Wolke wurde ganz still.

„Also … wenn zwei Dinge zusammenkommen … wird etwas Schönes daraus?“


„Ganz genau“, sagte die Sonne.


Da hüpfte der Wind fröhlich um sie herum.

„Und weißt du was? Du hast mitgeholfen!“


„Ich?“, rief die kleine Wolke überrascht.

„Ja! Deine Regentropfen waren ein Teil davon.“


Die kleine Wolke wurde ein bisschen rosa vor Freude.

Und flog langsam näher an den Regenbogen heran.


Die Farben schimmerten:

Rot.

Orange.

Gelb.

Grün.

Blau.

Indigo.

Violett.


Ein kleiner Vogel flog hindurch und rief:

„Das ist wie eine Himmelsbrücke!“


„Kann ich auch hindurch?“, fragte die kleine Wolke.


„Probier es aus!“, lachte der Wind.


Ganz vorsichtig schwebte sie näher …

… und plötzlich war sie mitten im Regenbogen.


Es fühlte sich an wie ein sanftes Kribbeln.

Als würde sie von Farben umarmt.


„Hihi! Das kitzelt ja!“, lachte sie.


Als sie wieder herauskam, fühlte sie sich ganz besonders.

„Ich fühle mich … bunt!“


„Das bist du auch“, sagte die Sonne.

„Du hast viele Seiten in dir – ruhig, fröhlich, neugierig … und manchmal auch nachdenklich.“


Die kleine Wolke nickte.

„Und alle dürfen da sein?“


„Ja“, sagte die Sonne sanft.

„Alle Farben gehören zu dir.“


Der Regen ließ langsam nach.


Der Regenbogen wurde heller …

… und heller …

Und dann verschwand er ganz langsam wieder.


„Oh … er ist weg“, sagte die kleine Wolke ein bisschen traurig.


„Nicht ganz“, sagte der Wind.

„Er ist nur weitergezogen. Und irgendwann kommt er wieder.“


Die kleine Wolke lächelte.

„Dann freue ich mich schon darauf.“


Sie schaute noch einmal auf die Wiese hinunter.

Alles glitzerte und funkelte nach dem Regen.

„Weisst du“, sagte sie leise, „manchmal entstehen die schönsten Dinge …

… nach ein paar Tropfen.“


Die Sonne lächelte warm.


Und die kleine Wolke schwebte weiter :

leicht,

neugierig

und voller Farben im Herzen.


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

Kinder wünschen sich oft, immer fröhlich zu sein.


Doch Gefühle sind nicht dazu da, weggeschoben zu werden.

Traurigkeit, Freude, Wut, Mut, Neugier und Hoffnung gehören alle zu unserem Leben, so wie die Farben zu einem Regenbogen.


Wenn Kinder lernen, dass jedes Gefühl seinen Platz haben darf, müssen sie keines davon verstecken.

Vielleicht könnt ihr euch heute gemeinsam fragen:


Welche Farbe hatte dein Tag heute?


Vielleicht war er sonnengelb.

Vielleicht regenbogenbunt.

Vielleicht auch ein bisschen wolkengrau.

Und vielleicht war er von allem etwas.


Denn genau so entstehen die schönsten Regenbögen.


Nächsten Sonntag zieht die kleine Wolke weiter. In einer stillen Nacht begegnet sie den Sternen und entdeckt, dass auch Gedanken schlafen dürfen.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

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