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Die kleine Wolke trifft den Mond ganz allein



In der letzten Geschichte hat die kleine Wolke erfahren, dass Gedanken zur Ruhe kommen dürfen.


Sie hat gelernt, dass sie ihre Gedanken den Sternen anvertrauen kann und dass sie in der Nacht nicht allein ist.


Doch manchmal gibt es noch etwas, das Kindern schwerfällt.

Die Stille.


Manche Kinder mögen es, wenn immer etwas passiert. Andere haben Angst vor dem Alleinsein oder fühlen sich unsicher, wenn alles ganz ruhig wird.


Dabei kann Stille ein ganz besonderer Ort sein.


Ein Ort, an dem unser Herz langsam wird und wir merken, dass wir getragen sind.

Heute entdeckt die kleine Wolke genau dieses Geheimnis.


Die kleine Wolke trifft den Mond ganz allein


In einer besonders stillen Nacht war der Himmel fast leer.

Keine anderen Wolken waren zu sehen.


Der Wind war ganz ruhig geworden.


Die kleine Wolke schwebte langsam dahin.

„Heute ist alles so … leise“, flüsterte sie.


Die Sterne funkelten sanft, aber sie waren weit weg.


Zum ersten Mal fühlte sich die kleine Wolke ein kleines bisschen allein.

Sie schaute sich um.

„Hallo?“, rief sie vorsichtig.


Niemand antwortete.


Gerade wollte sie ein bisschen trauriger werden, da bemerkte sie ein sanftes, silbernes Licht.


Langsam schob sich der Mond hinter dem Horizont hervor.

Gross.

Ruhig.

Und ganz nah.


Die kleine Wolke hielt inne.


„Guten Abend“, sagte der Mond mit seiner tiefen, warmen Stimme.


„Guten Abend …“, antwortete die kleine Wolke leise.

„Du bist heute ganz allein unterwegs?“


Der Mond lächelte.

„So wie du.“


Die kleine Wolke überlegte kurz.

„Fühlst du dich manchmal auch allein?“


Der Mond blieb einen Moment still.

Dann sagte er:

„Allein sein und sich allein fühlen …

… ist nicht immer dasselbe.“


Die kleine Wolke runzelte ihre weichen Ränder.

„Was meinst du?“


„Manchmal ist man allein …

… und es ist ganz ruhig und friedlich.

Und manchmal ist man unter vielen …

… und fühlt sich trotzdem allein.“


Die kleine Wolke dachte darüber nach.

„Und was ist jetzt?“, fragte sie leise.


Der Mond schaute sie freundlich an.

„Jetzt sind wir zwei hier.“


Die kleine Wolke spürte etwas Warmes in sich.

„Stimmt …“


Sie rückte ein kleines Stück näher zum Mond.

„Darf ich ein bisschen bei dir bleiben?“


„Natürlich“, sagte der Mond.

„Ich bin gerne Gesellschaft.“


Eine Weile schwiegen sie zusammen.

Und das Schweigen war nicht unangenehm.


Es war weich.

Und ruhig.


„Weisst du“, sagte die kleine Wolke nach einer Weile,

„früher hatte ich Angst vor so viel Stille.“


„Und jetzt?“, fragte der Mond.


„Jetzt fühlt es sich … schön an.“


Der Mond nickte langsam.

„Stille kann wie ein weicher Ort sein,

wenn man sich sicher fühlt.“


Die kleine Wolke liess sich ein kleines Stück sinken.

Fast so, als würde sie sich anlehnen.

„Mond?“, fragte sie.


„Ja?“


„Muss man immer jemanden um sich haben, damit es einem gut geht?“


Der Mond lächelte sanft.

„Nein. Aber es ist schön zu wissen,

dass jemand da ist, auch wenn man ihn nicht immer sieht.“


Die kleine Wolke schaute zu den Sternen.

Sie funkelten leise in der Ferne.

„Also bin ich nie ganz allein?“


„Nie“, sagte der Mond ruhig.

„Manchmal sind die anderen nur ein Stück weiter weg.“


Die kleine Wolke atmete langsam ein …

… und wieder aus …


Die Nacht fühlte sich jetzt ganz anders an.

Nicht leer.

Sondern weit.


„Ich glaube, ich mag diese Ruhe“, flüsterte sie.


„Das ist deine eigene Ruhe“, sagte der Mond.

„Die war schon immer in dir.“


Die kleine Wolke wurde ganz weich.

Sie musste nichts sagen.

Nichts tun.

Sie durfte einfach hier sein –

mit dem Mond,

unter den Sternen,

in der stillen Nacht.


Nach einer Weile wurden ihre Bewegungen langsamer.

Sie wurde müde.

„Danke, dass du hier bist“, murmelte sie.


Der Mond antwortete leise:

„Ich bin immer da …

auch wenn du mich mal nicht siehst.“


Die kleine Wolke lächelte im Einschlafen.

Und während sie ganz ruhig durch die Nacht schwebte,

wusste sie:

Allein sein kann ruhig sein.

Und ruhig kann sich gut anfühlen. 🌙


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

In unserer Welt ist es oft laut.

Musik läuft, Bildschirme flimmern, Termine folgen aufeinander.


Dabei brauchen Kinder – und auch wir Erwachsenen – Momente, in denen einfach nichts passieren muss.


Vielleicht schenkt ihr euch heute fünf Minuten.

Ohne Handy.

Ohne Fernsehen.

Ohne Ablenkung.


Einfach zusammen sitzen, den Himmel anschauen oder den Geräuschen draussen lauschen.

Kinder entdecken in solchen Momenten oft etwas Erstaunliches:

Stille ist gar nicht leer.

Sie ist voller Geborgenheit.


Nächsten Sonntag entdeckt die kleine Wolke ihr eigenes Wolkenherz und erfährt, dass die besten Antworten manchmal schon längst in ihr wohnen.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

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