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Die kleine Wolke trifft den Schmetterling

vor 10 Minuten
3 Min. Lesezeit


In der letzten Geschichte hat die kleine Wolke erlebt, wie ein kleiner Regentropfen seinen Mut gefunden hat.


Heute begegnet sie einem Schmetterling.


Auf den ersten Blick scheint er einfach nur wunderschön zu sein.

Doch seine Geschichte beginnt ganz anders.


Sie beginnt als kleine Raupe.


Diese Geschichte erinnert Kinder daran, dass Veränderung Zeit braucht und dass wir nicht immer schon sehen können, was einmal aus uns werden wird.


Die kleine Wolke trifft den Schmetterling


Es war ein warmer Frühlingsmorgen.


Die kleine Wolke schwebte langsam über eine bunte Blumenwiese.

Überall summten Bienen.


Die Blumen wiegten sich im Wind.

Und mitten zwischen ihnen flatterte ein wunderschöner Schmetterling.


Seine Flügel schimmerten in allen Farben.


Die kleine Wolke blieb staunend stehen.

„Du bist wunderschön!“


Der Schmetterling lächelte.

„Danke.“


„Warst du schon immer so?“


Der Schmetterling lachte leise.

„Oh nein.“


„Nicht?“


„Früher war ich eine kleine Raupe.“


Die kleine Wolke riss erstaunt die Augen auf.

„Wirklich?“


„Ja.“


„Und konntest du damals schon fliegen?“


„Nein.“


„Hattest du schon deine bunten Flügel?“


„Auch nicht.“


„Warst du traurig darüber?“


Der Schmetterling setzte sich auf eine Blume.

„Manchmal schon.“


„Warum?“


„Weil ich die Vögel fliegen sah.

Die Bienen. Und den Wind.

Ich wollte das auch können.“


„Und dann?“


„Dann erzählte mir eine alte Schnecke etwas.“


„Was denn?“


„Sie sagte: Du musst heute noch nicht fliegen können.

Heute darfst du einfach eine Raupe sein.“


Die kleine Wolke dachte darüber nach.

„Und hat dir das geholfen?“


„Ja. Denn plötzlich musste ich mich nicht mehr beeilen.“


„Wie ging es dann weiter?“


Der Schmetterling lächelte.

„Eines Tages wurde ich ganz müde.

Ich baute mir einen Kokon.

Von aussen sah es aus,

als würde überhaupt nichts passieren.“


„Aber innen?“


„Innen geschah das grösste Wunder meines Lebens.“


Die kleine Wolke lauschte ganz aufmerksam.


„Tag für Tag veränderte ich mich.

Ganz still.

Ganz langsam.

Niemand konnte es sehen.“


„Und dann?“


Der Schmetterling breitete seine bunten Flügel aus.

„Dann kam der Tag, an dem ich bereit war.“


„War das schwer?“


„Ein bisschen.“


„Hattest du Angst?“


„Ja. Aber ich wusste:

Ich bin nicht mehr die Raupe von früher.“


Die kleine Wolke schaute lange auf die schimmernden Flügel.

„Dann kann man sich also verändern …

ohne aufzuhören, man selbst zu sein?“


„Genau.“


Der Schmetterling nickte.

„Ich bin noch immer derselbe. Nur gewachsen.“


Die kleine Wolke musste lächeln.

„Vielleicht wachse ich auch jeden Tag, ohne es zu merken.“


„Ganz bestimmt“, sagte der Schmetterling.

„Und eines Tages wirst du zurückblicken und staunen, wie weit du gekommen bist.“


Bevor sie sich verabschiedeten,

flog der Schmetterling noch eine kleine Runde um die Wolke.

„Vergiss nie:

Du musst heute noch nicht alles können.

Heute darfst du einfach du sein.“


Die kleine Wolke lächelte.


Sie schaute auf die Blumen hinunter,

auf die kleinen Knospen,

die noch geschlossen waren.


Auch sie würden eines Tages blühen.

Ganz ohne Eile.


Mit diesem Gedanken schwebte die kleine Wolke weiter.

Leicht.

Geduldig.

Und voller Vertrauen.


Ein kleiner Gedanke für die Grossen

Kinder entwickeln sich oft sprunghaft.


Manchmal scheint wochenlang nichts zu passieren.

Und plötzlich gelingt etwas, das vorher unmöglich schien.


So wie beim Schmetterling geschieht auch bei Kindern ganz viel im Verborgenen.


Nicht jeder Entwicklungsschritt ist sofort sichtbar.

Manches wächst leise.

Im Herzen.

Im Vertrauen.

Oder im Mut.


Vielleicht dürfen wir unseren Kindern deshalb öfter sagen:

„Du musst heute noch nicht alles können. Du darfst heute einfach du sein.“


Denn genau dort beginnt Entwicklung.

Nicht im Druck.

Sondern in der Geborgenheit.


Nächsten Sonntag besucht die kleine Wolke den Wald und entdeckt, warum die Bäume ihre Wurzeln nie miteinander vergleichen und was wir von ihnen über Zusammenhalt lernen können.


Herzlichst

Nadine

 
 
 

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